"Demokratie leben! Lokale Partnerschaft für Demokratie"
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Repair Café Weil der Stadt in Merklingen

Ehrenamtliche organisieren seit April 2016 in Merklingen ein Repair-Café, das in den Räumen des evangelischen Remigiushauses seine Dienste an- bietet.  An jedem ersten Samstag im Monat können zwischen 10 und 14 Uhr nicht mehr funktionstüch- tige Gebrauchsgegenstände unter fachkundiger Anleitung selbst repariert werden. Mit Kaffee, Kuchen und orientalischen Köstlichkeiten wird der Samstagvormittag so zu einem kommunikativen und integrativen Erlebnis. 

Der Toaster klemmt. Zum Bedauern des Besitzers wirft er keine knusprigen Brote mehr aus. Kai de Jong stellt das Gerät erst einmal auf den Kopf, damit die letzten Brotkrumen im Müll und nicht auf der Arbeitsplatte landen. Versiert werden die richtigen Schrauben gelöst und nach Sicht ins Innere ist der Fehler erkannt und wird behoben. Im Testlauf zeigt sich, dass die Reparatur erfolgreich war. Eine Spende ins Schweinchen und das Sonntagsfrühstück ist gerettet.

Auf derselben Ebene werden auch komplexere Arbeiten durchgeführt. Das Objektiv einer Digitalkamera ist blockiert. Nach kniffliger Schraubarbeit und dem Auseinanderbauen des Gehäuses ertönt hier allerdings der enttäuschte Ausruf „scheiße, jetzt isch se he“. Auch das kann passieren, dass die Geräte nicht wieder in Stand gesetzt werden können und die Besitzer sich damit abfinden müssen.

Das Konzept des Repair Cafés basiert auf Nachhaltigkeit. Der Kreislauf von Produktion, Konsum, Gebrauch und anschließender Entsorgung auf dem Müll soll durchbrochen werden. Defekte Gebrauchsgegenstände sollen nicht mehr dieser Logik folgen, sondern ihre Dienste länger verrichten. Nicht jeder ist Heimwerker mit dem entsprechenden Werkzeug oder den erforderlichen Fähigkeiten. Daher bieten die kompetenten Ehrenamtlichen an, dass sie bei der Reparatur behilflich sind und zur Seite stehen, aber nicht einen kostenlosen Komplettservice leisten. Wer zwei linke Hände hat, dem wird selbstverständlich geholfen.

Der Patient ist ein grasgrüner Entsafter. Undefinierbare Geräusche begleiten den Produktionsvorgang, da macht die Herstellung gesunder Säfte keine Freude. Der Ehrenamtliche der Abteilung „Elektrik“ stellt fest, dass das Gehäuse leiert, aber dieser Defekt nicht behoben werden kann. Die Kundin trägt es mit Fassung, weiß sie doch, dass sie trotz des Geräuschs ihr Herbstobst entsaften kann. 

Die Nähwerkstatt ist unterm Dach. Fabiola hat noch kein Repair Café ausgelassen und damit erfüllt sie den Anspruch der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Ute Ruppert. Sie möchten nicht in Konkurrenz zu den kommerziellen Nähstuben gehen, die von Näharbeiten leben müssen. Daher werden hier keine Reisverschlüsse in Jeans genäht, sondern hier geht es um „Upcycling“ – aus alt mach neu! Ein flottes Umhängetäschle aus einem alten T-Shirt oder in Kombination mit Filz, werden aus alten Schokoladenverpackungen, kleine Beutelchen. Fabiola wird mit ihren kreativen Ideen von den erfahrenen Ehrenamtlichen unterstützt und motiviert, sich auch weiterhin im „Upcycling“ zu erproben.

Im Hof warten Fahrräder und deren zukünftige Nutzer auf die Probefahrt nach erfolgreicher Reparatur. Größtenteils werden hier gespendete Räder für Flüchtlinge, die gegenüber im Fruchtkasten leben, wieder fit gemacht. Ein 11-jähriges Mädchen aus dem Irak kann es kaum erwarten, dass sie endlich das langersehnte Fahrrad erhält. Seit einem Jahr ist sie in Deutschland, geht zur Schule und gibt gern und gut Auskunft über ihre Situation. Für Flüchtlinge ist Mobilität  ein wichtiges Thema, daher ist hier richtig viel los.

Die leckeren Speisen haben Frauen aus Weil der Stadt und Ibtisam aus Syrien hergestellt. Sehr lecker sind die gefüllten Weinblätter, die von den Gästen aus dem arabischen Raum besonders gern verspeist werden. Nicht jeder hat ein defektes Gerät dabei, die offene Tür im evangelischen Remigiushaus macht es möglich, dass  zugezogene Flüchtlinge und Einheimische aus Merklingen zusammen Café trinken,  sich kennen lernen und sich bei der nächsten Begegnung grüßen. Der freundliche Gruß im Vorbeigehen ist wertvoll, denn er macht aus Fremden, Menschen die hier leben!

Gefördert vom

im Rahmen des Bundesprogramms

Menschen verschiedener Herkunft
Quelle: Regiestelle "Demokratie leben!" / Andreas Schickert

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